Erzählwerkstatt – Prota trifft auf Taube!

 

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Hallo meine Lieben!

Letzten Donnerstag war wieder Erzählwerkstatt. Dieses Mal ging es um Erzählperspektiven – Vor- und Nachteile – Besonderheiten jeder Perspektive – beliebte Perpektiven – veraltete Perspektiven (allwissender Erzähler)?

Dann kam die Aufgabe: eine Figur (dein Prota oder Anta) trifft auf einen Gegenstand oder ein Tier. Aus dessen Perspektive erfinde eine kurze Szene. Kratz, kratz am Kopf. Ich wusste gleich welche Figur ich nehmen würde – Oliver – mit ihm habe ich letzte Woche große Fortschritte gemacht. Aber auf was oder wen sollte er treffen?

Dann kam mir die Idee ihn auf eine Taube treffen zu lassen. Oliver hat eine riesige Terrasse, dort sind Tauben doch eine echte Plage. Und noch dazu ein pingeliger Unfallchirurg!

Es entstand folgende Szene, die ich in meinen Roman aufnehmen werde, allerdings wird im Roman auch noch der Mops mitmischen!

Olivers vorherrschende Gefühle zum Zeitpunkt der Szene: Grantig, unglücklich, gestresst, aufbrausend, einsam (in Wirklichkeit, will er sich ja aber nicht eingestehen der gute Mann!!)

 

Oliver trifft auf Taube, sie besucht Olivers Terrasse, hinterlässt natürlich auch Unrat, Oliver telefoniert mit seiner Schwester Mathilda, eine äußerst neugierige Frau und Plastische Chirurgin!

 

Da ist er wieder, der Hektische, telefoniert schon wieder, wandert auf und ab, höre ihn nicht, fliege näher ran, picke an die Scheibe, he du, da bin ich, was sagt der?

„Nein Mathilde, hör mir zu, das geht dich natürlich GAR NICHTS an! Nein, du hörst mir jetzt zu! Was? Natürlich bist du meine Schwester zum Teufel nochmal. Ja, aber du bist nicht mein Moralapostel! Was? Ich sag dir mal was, ich pfeife auf unseren bescheuerten Familiennamen! Ja, lasse mich umtaufen. Das ist mir egal, was?“

Rennt auf und ab, fuchtelt mit den Armen, rot im Gesicht, picke wieder ans Fenster, er hält inne, dreht sich um, picke wieder, dreht sich zu mir, macht große Schritte, reißt die Terrassentür auf, fliege erschrocken auf das Geländer, was sagt er?

„Scheiß Taube, weg da, schuh, schuh.“

Kommt auf mich zu, hält den Hörer weg und schreit: „Hau ab! Kackst mir immer alles voll, ja, dich kenn ich schon, weiß mit schwarzen Punkten, solche Tauben gibt es nicht oft, na warte, ich werds dir geben!“

Sitze auf Geländer, Mann rennt um die Ecke, klirr, er zerrt an etwas, so eine Art Schlange, Handy hält er in der anderen Hand, dort kommt eine laute Stimme raus, kann nicht verstehen was sie sagt, ah, ein Schlauch, er will Blumen gießen, jetzt brüllt er wieder ins Telefon, reißt weiter am Schlauch herum: „Mathilde, ja, ärgere mich gerade. Ja auch über dich! Das wollte ich dir schon immer sagen: kümmere dich um deinen eigene Dreck! Ja, Dreck! Um deine Schickimickitussis mit ihren Faltenproblemen, operierten Brüsten und Schamlippenverkleinerungen. Ja, um deren Wohl sorge dich und verschönere sie, pfusch ihnen knackige Bäuche zusammen. Ja, ihr seid alle Pfuscher, ja, das wollte ich dir schon immer mal sagen. Nur die Dollarzeichen in den Augen! Ja, ach sei doch ruhig, das stimmt sehr wohl! Aber mich und Louisa lässt du in Ruhe! Ja, Louisa. Ja, ich nehme diesen Namen in den Mund. Willst du ihn nochmal hören: LOUISA! Was? Ja sag einmal, das ist wohl meine Intimsphäre und geht dich ja gar nichts an. Was? Ob sie verhütet? Also jetzt bist du ja völlig übergeschnappt. Was haben denn bitte meine Kinder damit zu tun? Ich soll mich nicht noch mehr vermehren? Das sagt ja gerade die Richtige, ich habe wenigstens Kinder zusammen gebracht!

Der Mann lässt die Schlange fallen und geht mit forschen Schritten wieder um die Ecke, etwas quietscht, die Schlange bewegt sich und zuckt, ruckartig kommt Wasser raus, jö, er will die Blumen gießen, dann kann ich nachher in den Lacken baden, ja, das gefällt mir, es kommt jetzt viel Wasser raus, aber wo ist der Mann? Ah, da kommt er, er gestikuliert wild mit den Armen, das Gesicht ist hochrot, eine Ader auf der Stirn tritt hervor, er schreit ins das Telefon:

„Mathilde, ich leg jetzt auf, ruf mich die nächsten Tage nicht an, außer du willst, dass wir nicht mehr miteinander reden, ich muss nachdenken, ob ich überhaupt noch mit dir reden will! Und nein, ich werde nicht aufhören, Louisa zu „begatten“, wie du es gerade genannt hast. Und wenn du es genau wissen willst, sie ist gar nicht mehr im Lande! Ja, da schaust du. Ja, sie ist weg. Und weißt du was? Bald bin ich auch weg! Und ich werde mich davor hüten, dir zu sagen wohin. Tschüss!“

Der Mann nimmt das Telefon und wirft es auf die schöne Bank mit den grauen weichen Pölstern, dort bin ich auch schon gesessen, hab auch drauf gekackt, hat er eh gesehen, war damals sauer.

Jetzt nimmt er den Schlauch und zielt…..schuhuuuuuuuuuu……er trifft mich und ich versuche wegzuflattern, stürze ab, er spritzt hinter mir her in die Tiefe, ich falle, unter mir Geschrei:

„Herst sanns narrisch wurn, da gießt mi ana. Bist deppert, Vorsicht!“

Ich falle auf weiße Fäden, Haare von einer Frau, sie schreit, haut auf mich drauf, ich flattere, von oben höre ich Gelächter, der Mann schreit, die Frau schreit, ich flattere um mein Leben, lauter Irre diese Menschen!

 

Ja, war ein schöner Schreibabend! Und danke Anni für eine neue Szene!

Schönen Abend

Eure Louisa

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